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Wie viele Menschen knirschen mit den Zähnen?

Bruxismus in Zahlen: wie häufig Knirschen im Schlaf und Pressen am Tag sind, wie oft Kinder knirschen, was Stress damit zu tun hat und warum die Zahlen schwanken.

Moritz Scherer
Von Moritz SchererStaatlich anerkannter Physiotherapeut
8 Min Lesezeit

Vielleicht hat dir jemand gesagt, dass du nachts knirschst, oder du ertappst dich tagsüber dabei, wie deine Zähne fest aufeinanderliegen. Dann fragst du dich wahrscheinlich, ob das ungewöhnlich ist. Du bist damit in sehr großer Gesellschaft, wie die Studien zeigen.

In diesem Artikel ordne ich die wichtigsten Zahlen zu Bruxismus für dich ein. Du erfährst, wie häufig Knirschen im Schlaf und Pressen am Tag sind, wie es bei Kindern aussieht, welche Rolle Stress in den Studien spielt und warum die Prozentangaben je nach Quelle so weit auseinanderliegen.

Kurz gesagt

Etwa jeder fünfte Mensch knirscht oder presst mit den Zähnen. Eine Meta-Analyse aus 176 Studien schätzt die weltweite Häufigkeit von Bruxismus auf 22 Prozent, das Knirschen im Schlaf auf 21 Prozent und das Pressen im Wachzustand auf 23 Prozent (Zieliński et al., 2024). Die meisten Zahlen beruhen auf Fragebögen und sind deshalb Schätzungen.

  • Knirschen im Schlaf und Pressen am Tag kommen ungefähr gleich häufig vor.
  • Bei Kindern schwanken die Zahlen stark, weil sie fast nur aus Elternbefragungen stammen.
  • Stress hängt in Studien mit Bruxismus zusammen, die Beweislage ist aber noch schwach.

Wie viele Menschen knirschen mit den Zähnen?

Nach eigenen Angaben ist es die erste weltweite Auswertung zu Schlaf- und Wachbruxismus, erstellt von einem Team der Medizinischen Universität Lublin. Es hat 176 Studien aus den Jahren 2003 bis 2023 zusammengefasst, 97 davon mit Erwachsenen und 79 mit Kindern und Jugendlichen. Insgesamt kommt die Arbeit auf eine Häufigkeit von 22,22 Prozent für Bruxismus, egal ob im Schlaf oder im Wachzustand (Zieliński et al., 2024).

Für Europa liegt der Gesamtwert bei 22,17 Prozent. Nordamerika kommt auf 29,07 Prozent, Südamerika auf 24,89 Prozent und Asien auf 19,10 Prozent. Zahlen speziell für Deutschland enthält die Analyse nicht, und für Afrika und Australien gab es zu wenige Studien (Zieliński et al., 2024). In getrennten Auswertungen lagen die Werte bei Frauen höher als bei Männern, was die Autorinnen und Autoren als einen ihrer zentralen Befunde nennen.

Knirschen im Schlaf oder Pressen am Tag: Was ist häufiger?

Fachleute unterscheiden zwei Formen. Schlafbruxismus ist Aktivität der Kaumuskeln im Schlaf, Wachbruxismus ist wiederholter oder anhaltender Zahnkontakt oder ein Festhalten oder Vorschieben des Unterkiefers im wachen Zustand (Lobbezoo et al., 2018). Mehr dazu, woran du das Knirschen im Schlaf erkennst, liest du im Artikel Woran merke ich, dass ich nachts knirsche?.

Beide Formen sind ähnlich verbreitet. Die Meta-Analyse aus Lublin schätzt den Schlafbruxismus auf 21 Prozent und den Wachbruxismus auf 23 Prozent. In Europa liegen die Werte bei 21 Prozent für das Knirschen im Schlaf und 18 Prozent für das Pressen am Tag (Zieliński et al., 2024). Eine ältere Übersichtsarbeit zu Erwachsenen fand für Wachbruxismus Werte zwischen 22,1 und 31 Prozent und für häufiges Knirschen im Schlaf recht einheitlich etwa 12,8 Prozent. Mit dem Geschlecht hingen die Werte dort nicht zusammen, bei älteren Menschen nahmen sie ab (Manfredini et al., Erwachsene, 2013).

Am nächsten an deutsche Verhältnisse kommt eine Befragung von 1.209 Erwachsenen aus den Niederlanden. Dort gaben 16,5 Prozent an, im Schlaf zu knirschen, und 5,0 Prozent, tagsüber zu pressen. Beide Formen waren bei Älteren seltener. Das Knirschen im Schlaf lag bei den 25- bis 34-Jährigen bei 20,0 Prozent und bei den 65- bis 74-Jährigen bei 8,3 Prozent. Frauen berichteten beide Formen häufiger als Männer (Wetselaar et al., 2019).

Warum gehen die Zahlen so weit auseinander?

Der wichtigste Grund ist die Messmethode. In der Übersichtsarbeit zu Erwachsenen beruhten alle verwertbaren Studien allein auf Selbstauskunft, meist auf ein oder zwei Fragen in einem Fragebogen. Unter den ausgewerteten Studien gab es keine mit Messungen im Schlaflabor oder mit Muskelableitungen, und die Autorinnen und Autoren raten deshalb zur Vorsicht bei allen Zahlen (Manfredini et al., Erwachsene, 2013).

Wie stark die Methode das Ergebnis verändert, zeigt eine Studie mit 1.042 Menschen aus einer brasilianischen Bevölkerungsstichprobe, die alle einen Fragebogen ausfüllten und im Schlaflabor untersucht wurden. Nach Fragebogen knirschten 12,5 Prozent im Schlaf, nach der Messung im Schlaflabor (Polysomnographie) 7,4 Prozent. Beides zusammen, also Selbstauskunft und Bestätigung im Labor, traf auf 5,5 Prozent zu (Maluly et al., 2013). In der Meta-Analyse aus Lublin kamen die vier Schlaflaborstudien dagegen auf 43 Prozent, wobei die Stichprobe hier klein ist und die Spanne entsprechend groß (Zieliński et al., 2024).

Dazu kommt die Definition. Die internationale Konsensgruppe um Frank Lobbezoo beschreibt Bruxismus bei sonst gesunden Menschen nicht als Krankheit, sondern als Verhalten, das ein Risikofaktor und teils auch ein Schutzfaktor sein kann. Sie empfiehlt, bei Gesunden keine festen Grenzwerte für ja oder nein zu verwenden, sondern die Muskelaktivität auf einem Kontinuum zu betrachten (Lobbezoo et al., 2018). Wo eine Studie die Grenze zieht, beeinflusst also direkt, wie viele Menschen als betroffen gelten. In Deutschland haben die Fachgesellschaften DGFDT und DGZMK zu Diagnostik und Behandlung eine eigene S3-Leitlinie veröffentlicht, die 2026 in überarbeiteter Fassung erschienen ist (DGFDT und DGZMK, 2026).

Knirschen Kinder häufiger als Erwachsene?

Bei Kindern ist die Datenlage noch unsicherer. Eine Übersichtsarbeit hat 22 Studien gesichtet und nur acht für die Auswertung genutzt. Alle beruhten auf Angaben der Eltern, Messungen im Schlaflabor gab es keine. Die Häufigkeit lag zwischen 3,5 und 40,6 Prozent, viele Studien beschrieben einen Rückgang mit dem Alter und keinen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. Eine verlässliche Schätzung ließ sich daraus nicht ableiten (Manfredini et al., Kinder, 2013).

Die neuere Meta-Analyse zeigt ein gemischtes Bild. In Europa lag der Schlafbruxismus bei Minderjährigen bei 16 Prozent und bei Erwachsenen bei 23 Prozent. Weltweit knirschten Frauen im Schlaf deutlich häufiger als Mädchen (rund 14 gegenüber 9 Prozent), bei Männern und Jungen gab es keinen solchen Unterschied (Zieliński et al., 2024). Wenn dein Kind knirscht und du dir Sorgen machst, ist die Zahnarztpraxis die richtige Anlaufstelle (NHS, Teeth grinding).

Stress und Bruxismus in Zahlen

Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt Stress und Angst als häufigste Ursache für Zähneknirschen. Weitere mögliche Auslöser sind dort Medikamente gegen Schlafprobleme, Depression oder Angst, viel Alkohol oder Koffein und Rauchen (NHS, Teeth grinding).

In Zahlen sieht das so aus: Eine Meta-Analyse hat sechs Studien mit Erwachsenen ausgewertet, drei davon flossen in die Berechnung ein. Gestresste Menschen hatten etwa doppelt so hohe Chancen auf Bruxismus wie Menschen ohne Stress (Odds Ratio 2,07). Die Autorinnen und Autoren stufen die Gewissheit dieser Evidenz allerdings als niedrig ein (Chemelo et al., 2020). Bei Angst ist das Bild uneinheitlicher. Eine Übersichtsarbeit zu acht Studien fand für allgemeine Ängstlichkeit und Knirschen im Schlaf teils einen Zusammenhang und teils keinen. Bei Symptomen aus dem Spektrum von Panik und Agoraphobie zeigten beide Studien, die das untersucht hatten, höhere Werte bei Menschen mit wahrscheinlichem Schlafbruxismus (Polmann et al., 2019).

Diese Studien zeigen, dass Stress und Bruxismus oft gemeinsam auftreten. Ob der Stress das Knirschen auslöst, können sie nicht beweisen. Wie Angst und Pressen im Alltag zusammenspielen und was dir dann hilft, erkläre ich ausführlich im Artikel Kann Angst Zähnepressen auslösen?.

Probier es aus: Deine eigene Bruxismus-Statistik

Studien zählen Menschen, du kannst bei dir selbst zählen. Diese Wochenübersicht gebe ich in der Physiotherapie gern mit, weil sie aus einem vagen Gefühl konkrete Hinweise macht.

  1. Erinnerung setzen: Stell dir für eine Woche fünf Erinnerungen über den Tag verteilt, zum Beispiel auf dem Handy.
  2. Kurz prüfen: Bei jeder Erinnerung achtest du darauf, ob sich deine Zähne berühren und ob der Kaumuskel an der Wange fest ist.
  3. Strich machen: Notiere einen Strich für Zahnkontakt und einen Punkt für locker. Schreib dazu, was du gerade getan hast.
  4. Morgens nachspüren: Notiere nach dem Aufwachen, ob dein Kiefer müde ist oder ob dir jemand gesagt hat, dass du nachts knirschst.
  5. Auswerten: Zähle am Ende der Woche, wie oft du Zahnkontakt hattest und in welchen Situationen.

Als Ruheposition zum Vergleich zeige ich in der Praxis diese Haltung: Lippen locker geschlossen, Zähne leicht auseinander, Zunge entspannt am Gaumen. Deine Notizen sind eine gute Grundlage für das Gespräch in der Zahnarztpraxis, ersetzen aber keine Untersuchung. Tipps für die Situationen, die du dabei findest, stehen im Artikel Wie kann ich tagsüber aufhören, die Zähne zu pressen?.

Wie JawBuddy dich dabei unterstützt

JawBuddy ist ein digitaler Begleiter für angeleitete Kieferübungen und Selbstmanagement. In JawBuddy Therapy gehört ein täglicher Check zum Zahnkontakt dazu, damit du das Bemerken und Lösen aus deiner Wochenübersicht im Alltag weiterführen kannst.

Eine individuelle Diagnose durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal und die Notfallversorgung ersetzt die App nicht. Einen Überblick über Ursachen, Folgen und Behandlung findest du auf unserer Seite zum Zähneknirschen.

Wann solltest du zum Arzt?

Ruf sofort die 112 an, wenn Schmerzen in der Brust in Arme, Nacken oder Kiefer ausstrahlen. Das kann ein Herzinfarkt sein (NHS, Heart attack).

Einen dringenden ärztlichen Termin brauchst du laut NHS, wenn du nicht mehr essen oder trinken kannst, dein Kiefer blockiert oder sich der Mund nicht mehr richtig öffnen lässt, wenn du häufig starke Kopfschmerzen oder Schmerzen an der Schläfe hast oder Sehstörungen wie Doppelbilder bemerkst (NHS, TMD). Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichst du rund um die Uhr unter 116117 (KBV, 116117).

Zeitnah zur Zahnarztpraxis solltest du, wenn:

  • du knirschst und deine Zähne beschädigt oder empfindlich sind.
  • dir beim Knirschen Kiefer, Gesicht oder Ohr wehtun.
  • dein Partner oder deine Partnerin dich nachts knirschen hört.
  • du dir Sorgen machst, weil dein Kind knirscht (NHS, Teeth grinding).

Du bist mit deinem Kiefer nicht allein

Wenn du knirschst oder presst, gehörst du zu einer sehr großen Gruppe, und du kannst dein eigenes Verhalten gut beobachten. Starte diese Woche mit deiner eigenen kleinen Statistik und nimm sie zu deinem nächsten Zahnarzttermin mit. Wenn du statt einer Schiene nach anderen Wegen suchst, lies weiter auf unserer Seite zur Knirscherschiene-Alternative.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen knirschen mit den Zähnen?+
Eine Meta-Analyse aus 176 Studien kommt weltweit auf rund 22 Prozent der Menschen mit Bruxismus, also Knirschen oder Pressen im Schlaf oder im Wachzustand. Für Europa liegt der Wert ebenfalls bei etwa 22 Prozent (Zieliński et al., 2024).
Ist Pressen am Tag häufiger als Knirschen in der Nacht?+
Die beiden Formen sind ungefähr gleich häufig. Die Meta-Analyse schätzt Schlafbruxismus auf 21 Prozent und Wachbruxismus auf 23 Prozent, beim Pressen im Wachzustand also etwa jeden vierten Menschen (Zieliński et al., 2024).
Knirschen Kinder häufiger als Erwachsene?+
Bei Kindern schwanken die Zahlen zwischen 3,5 und 40,6 Prozent, und viele Studien beschreiben, dass das Knirschen mit dem Alter abnimmt (Manfredini et al., Kinder, 2013). Die Daten stammen fast nur aus Elternbefragungen, eine verlässliche Schätzung gibt es deshalb nicht.
Knirschen gestresste Menschen öfter?+
In einer Meta-Analyse hatten gestresste Erwachsene etwa doppelt so hohe Chancen auf Bruxismus wie Menschen ohne Stress (Chemelo et al., 2020). Die Gewissheit dieser Evidenz bewerten die Autorinnen und Autoren aber als niedrig.

Quellen

  1. Manfredini D, Winocur E, Guarda-Nardini L, Paesani D, Lobbezoo F. Epidemiology of bruxism in adults: a systematic review of the literature. Journal of Orofacial Pain 27(2), 99-110, 2013. ↗
  2. Manfredini D, Restrepo C, Diaz-Serrano K, Winocur E, Lobbezoo F. Prevalence of sleep bruxism in children: a systematic review of the literature. Journal of Oral Rehabilitation 40(8), 631-642, 2013. ↗
  3. Maluly M, Andersen ML, Dal-Fabbro C, et al. Polysomnographic study of the prevalence of sleep bruxism in a population sample. Journal of Dental Research 92(7 Suppl), 97S-103S, 2013. ↗
  4. Lobbezoo F, Ahlberg J, Raphael KG, et al. International consensus on the assessment of bruxism: Report of a work in progress. Journal of Oral Rehabilitation 45(11), 837-844, 2018. ↗
  5. Wetselaar P, Vermaire EJH, Lobbezoo F, Schuller AA. The prevalence of awake bruxism and sleep bruxism in the Dutch adult population. Journal of Oral Rehabilitation 46(7), 617-623, 2019. ↗
  6. Polmann H, Domingos FL, Melo G, et al. Association between sleep bruxism and anxiety symptoms in adults: A systematic review. Journal of Oral Rehabilitation 46(5), 482-491, 2019. ↗
  7. Chemelo VDS, Né YGS, Frazão DR, et al. Is There Association Between Stress and Bruxism? A Systematic Review and Meta-Analysis. Frontiers in Neurology 11, 590779, 2020. ↗
  8. NHS. Temporomandibular disorder (TMD). National Health Service, UK. Page last reviewed 20 June 2023. ↗
  9. Zieliński G, Pająk A, Wójcicki M. Global Prevalence of Sleep Bruxism and Awake Bruxism in Pediatric and Adult Populations: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Clinical Medicine 13(14), 4259, 2024. ↗
  10. DGFDT, DGZMK. S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung von Bruxismus. Langfassung, Version 2.1. AWMF-Registernummer 083-027. AWMF, 2026. ↗
  11. NHS. Teeth grinding (bruxism). National Health Service, UK. Page last reviewed 8 April 2026. ↗
  12. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). 116117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst, abgerufen 06.11.2026. ↗
  13. NHS. Heart attack. National Health Service, UK. Page last reviewed 31 March 2026. ↗

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