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Kann Zähneknirschen Kopfschmerzen verursachen?

Morgens Druck an den Schläfen und nachts knirschen: Was die Forschung über Bruxismus und Kopfschmerzen weiß, wo sie an Grenzen stößt und was dir helfen kann.

Moritz Scherer
Von Moritz SchererStaatlich anerkannter Physiotherapeut
8 Min Lesezeit

Du wachst auf, und dein Kopf fühlt sich an, als hättest du die ganze Nacht die Zähne aufeinandergedrückt. Vielleicht hat dir deine Zahnärztin schon Schliffspuren gezeigt, oder dein Partner hört dich nachts knirschen. Mit dieser Kombination bist du nicht allein.

Ob der Kiefer hinter deinen Kopfschmerzen steckt, lässt sich nicht immer eindeutig sagen. Hier erfährst du, was die Forschung über Knirschen und Kopfschmerzen weiß, warum morgendliche Kopfschmerzen auch ein Hinweis auf Atemaussetzer im Schlaf sein können und was du selbst ausprobieren kannst.

Kurz gesagt

Zähneknirschen und Kopfschmerzen treten oft gemeinsam auf. Den klarsten Zusammenhang fand eine Übersichtsarbeit zwischen Pressen im Wachzustand und Spannungskopfschmerzen, beim nächtlichen Knirschen dagegen nicht (Réus et al., 2021). Die Studienlage ist klein und von niedriger Qualität, eine direkte Ursache ist deshalb nicht bewiesen.

  • Schmerzen an den Schläfen passen gut zu überlasteten Kaumuskeln.
  • Kommen morgendliche Kopfschmerzen zusammen mit lautem Schnarchen, Atempausen oder starker Tagesmüdigkeit vor, solltest du eine Schlafapnoe abklären lassen.
  • Eine Schiene schützt die Zähne, gegen das Pressen können Wahrnehmung und Entspannung helfen.

Was genau ist Zähneknirschen?

Fachleute sprechen von Bruxismus. Eine internationale Expertengruppe hat 2018 getrennte Definitionen für zwei Formen festgelegt: den Schlafbruxismus, also Kaumuskelaktivität im Schlaf, und den Wachbruxismus. Beim Wachbruxismus berühren sich die Zähne immer wieder oder dauerhaft, oder der Unterkiefer wird angespannt gehalten oder nach vorne geschoben, auch ohne hörbares Knirschen (Lobbezoo et al., 2018).

Wichtig für dich ist eine zweite Aussage dieser Gruppe. Bei sonst gesunden Menschen stuft sie Bruxismus als Verhalten ein, das ein Risikofaktor für bestimmte Beschwerden sein kann (Lobbezoo et al., 2018). Ob dein Knirschen ein Problem ist, hängt also davon ab, ob es dir Beschwerden macht. Mehr Hintergrund findest du auf unserer Seite zum Zähneknirschen.

Hängen Knirschen und Kopfschmerzen wirklich zusammen?

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 hat 544 Artikel gesichtet und am Ende nur fünf Studien gefunden, die streng genug waren. Darin zeigte sich bei Spannungskopfschmerzen ein deutlicher Zusammenhang, allerdings nur mit dem Pressen und Knirschen im Wachzustand. Für das nächtliche Knirschen fand sich kein Zusammenhang mit Spannungskopfschmerzen, und bei Migräne waren die Ergebnisse widersprüchlich (Réus et al., 2021).

Ehrlicherweise muss man dazusagen, dass die Autorinnen und Autoren die Sicherheit dieser Ergebnisse als niedrig bis sehr niedrig einstufen. Die Studien waren so unterschiedlich, dass keine gemeinsame Auswertung möglich war (Réus et al., 2021). Solche Beobachtungsstudien zeigen, was gemeinsam vorkommt. Sie können nicht klären, ob das Pressen den Kopfschmerz auslöst oder umgekehrt Kopfschmerzen und Stress das Pressen fördern. Auch eine gemeinsame Ursache ist möglich.

Für deinen Alltag lohnt es sich deshalb, auch auf das Pressen tagsüber zu achten und nicht nur auf das Knirschen in der Nacht.

Warum tut nach dem Knirschen die Schläfe weh?

Leg mal die Finger an deine Schläfen und beiß die Zähne zusammen. Du spürst, wie sich dort ein Muskel anspannt. Dieser Schläfenmuskel gehört zu den großen Kaumuskeln, und wenn er lange arbeitet, kann er sich wie ein Druck am Kopf anfühlen.

Die internationale Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 kennt deshalb einen eigenen Kopfschmerz, der auf eine Kiefergelenks- oder Kaumuskelstörung (CMD) zurückgeht. Er sitzt meist an der Schläfe, auf einer oder beiden Seiten. Typisch ist, dass er sich durch Kauen, Kieferbewegungen oder Knirschen verstärkt und sich auslösen lässt, wenn jemand auf den Schläfenmuskel drückt (ICHD-3, 11.7). Die Grenze zum Spannungskopfschmerz ist dabei fließend, und die Klassifikation weist selbst auf diese Überschneidung hin.

Wie dieser Kopfschmerz genau eingeordnet wird, erkläre ich ausführlicher im Artikel Kann CMD Kopfschmerzen verursachen?.

Kopfschmerzen am Morgen: Was steckt dahinter?

Die Cleveland Clinic nennt Kopf- und Gesichtsschmerzen, vor allem am Morgen, als mögliche Beschwerden bei häufigem Knirschen (Cleveland Clinic, 2023). Morgendliche Kopfschmerzen haben aber noch einen anderen bekannten Auslöser, den du kennen solltest, nämlich die obstruktive Schlafapnoe. Dabei setzt die Atmung im Schlaf immer wieder aus, und laut NHS gehören Kopfschmerzen beim Aufwachen zu den Beschwerden am Tag (NHS).

Die Kopfschmerzklassifikation beschreibt diesen Schlafapnoe-Kopfschmerz als Kopfschmerz beim Aufwachen, der meist beidseitig ist, weniger als vier Stunden dauert und verschwindet, wenn die Schlafapnoe erfolgreich behandelt wird. Sie betont aber auch, dass Kopfschmerzen beim Aufwachen bei vielen anderen Kopfschmerz- und Schlafstörungen vorkommen (ICHD-3, 10.1.4).

Spannend ist, dass Knirschen und Schlafapnoe sich überschneiden könnten. Eine Übersicht über acht systematische Reviews kam zu dem Ergebnis, dass Erwachsene mit Schlafapnoe offenbar häufiger nachts knirschen. Die Qualität der Reviews war allerdings überwiegend niedrig, und ob das eine das andere verursacht, ist offen (Pereira et al., 2026). Eine Meta-Analyse aus Wrocław fand dagegen keinen klaren Unterschied in der Häufigkeit des Knirschens zwischen Menschen mit und ohne Schlafapnoe. Auch hier waren die zugrunde liegenden Studien überwiegend von niedriger Qualität (Błaszczyk et al., 2024).

Der britische Gesundheitsdienst nennt Schlafapnoe als einen der Faktoren, die mit Zähneknirschen in Verbindung stehen (NHS). Wenn du morgens Kopfschmerzen hast und dazu laut schnarchst, nachts nach Luft schnappst oder tagsüber sehr müde bist, lohnt sich deshalb ein Gespräch in der Hausarztpraxis. Eine Schlafapnoe sollte behandelt werden, weil sie zu ernsteren Folgen führen kann (NHS).

Probier es aus: der Zahnkontakt-Check für eine Woche

Diesen Check gebe ich in der Physiotherapie oft als Erstes mit, weil er dir zeigt, wie viel dein Kiefer im Alltag arbeitet. Du brauchst dafür nur dein Handy oder einen Zettel.

  1. Halte jetzt kurz inne und spür nach, ob sich deine Zähne berühren.
  2. Bring deinen Kiefer in die Ruheposition. Die Lippen sind locker geschlossen, die Zähne leicht auseinander, und die Zunge liegt entspannt am Gaumen.
  3. Leg die Fingerkuppen an beide Schläfen und drück sanft auf den Muskel. Achte darauf, ob sich das ähnlich anfühlt wie dein gewohnter Kopfschmerz.
  4. Stell dir mehrere Erinnerungen über den Tag verteilt, zum Beispiel einen Klebepunkt am Bildschirm, und wiederhole bei jedem Blick darauf die ersten beiden Schritte.
  5. Notier jeden Morgen, ob du Kopfschmerzen hast, wo sie sitzen, wie lange sie anhalten und ob dein Kiefer müde ist. Laut NHS kann ein solches Kopfschmerztagebuch helfen, Auslöser zu erkennen (NHS).
  6. Frag die Person, mit der du schläfst, ob sie Knirschgeräusche, lautes Schnarchen oder Atempausen bemerkt.

Nimm deine Notizen mit in die Zahnarzt- oder Hausarztpraxis. Ertappst du dich oft beim Pressen und ist der Schläfenmuskel druckempfindlich, spricht das für eine Beteiligung deiner Kaumuskeln. Klingen die Notizen eher nach Schnarchen und Atempausen, sollte zuerst die Schlafapnoe abgeklärt werden.

Was hilft gegen Knirschen und Kopfschmerzen?

Für den Moment

Wenn du merkst, dass du presst, löse die Zähne voneinander und atme ein paarmal ruhig aus. Gegen Kieferschmerzen oder Schwellungen empfiehlt der NHS, einen Kühlakku in ein Tuch zu wickeln und 20 bis 30 Minuten aufzulegen. Kaugummi und harte Lebensmittel lässt du an solchen Tagen besser weg (NHS).

Auf Dauer

Gegen das Knirschen setzt der NHS vor allem auf Entspannung, etwa mit Atemübungen, Musik oder regelmäßiger Bewegung. Außerdem empfiehlt er, besser zu schlafen, etwa mit festen Schlafenszeiten, etwas Entspannung vor dem Zubettgehen und einem dunklen, ruhigen Schlafzimmer. Rauchen sowie viel Alkohol und Koffein solltest du meiden (NHS). Wie eng Stress und Kieferbeschwerden zusammenhängen, liest du im Artikel Kann Stress Kieferschmerzen auslösen?.

Beim Pressen im Wachzustand kann es laut Cleveland Clinic schon reichen, dir das Verhalten bewusster zu machen und Stress abzubauen (Cleveland Clinic, 2023). Genau hier setzt der Zahnkontakt-Check an. Eine Schiene, die deine Zahnarztpraxis anpasst, wird nachts getragen und schützt deine Zähne vor Schäden (NHS). Welche Wege es neben der Schiene gibt, findest du auf unserer Seite zu Alternativen zur Knirscherschiene.

Auch Physiotherapie kann bei Bruxismus helfen, besonders wenn zusätzlich Kopfschmerzen oder eine CMD bestehen. Eine Übersichtsarbeit fand positive Effekte von manueller Therapie in Kombination mit einer Schiene oder Kinesiotape, zum Beispiel auf Gesichtsschmerzen und Schlafqualität. Die Datenlage ist allerdings begrenzt und uneinheitlich, und die meisten der 15 Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko (de Oliveira Souza et al., 2026).

Wie JawBuddy dich dabei unterstützt

JawBuddy ist ein digitaler Begleiter für angeleitete Kieferübungen und Selbstmanagement. Damit kannst du kurze Übungen für Kiefer und Kaumuskeln in deinen Alltag einbauen und das Lockerlassen regelmäßig üben.

JawBuddy ersetzt keine Notfallversorgung und keine individuelle Diagnose durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Weitere Übungen findest du auf unserer Seite zu CMD-Übungen.

Wann solltest du zum Arzt?

Laut NHS solltest du sofort in die Notaufnahme gehen oder die 112 anrufen, wenn zu deinen Kopfschmerzen eines dieser Zeichen kommt (NHS):

  • Der Kopfschmerz beginnt plötzlich und ist extrem stark.
  • Du hast Taubheit oder Schwäche im Gesicht oder Körper, Probleme beim Sprechen, Gehen, mit dem Gleichgewicht oder dem Gedächtnis, Sehverlust, oder du bist ungewöhnlich schläfrig oder verwirrt.
  • Du hattest einen Krampfanfall oder in den letzten drei Monaten eine Kopfverletzung.
  • Du hast sehr hohes Fieber, einen steifen Nacken, helles Licht stört dich, oder du hast einen Ausschlag, der nicht verblasst, wenn du ein Glas darüber rollst.

Einen dringenden Arzttermin oder Rat beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 brauchst du, wenn Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder Erbrechen einhergehen oder durch Husten, Niesen, Bücken oder körperliche Anstrengung ausgelöst oder verstärkt werden. Das gilt auch, wenn du Kopfschmerzen hast und dir der Kiefer beim Essen wehtut oder deine Kopfhaut empfindlich ist (NHS). Diese Kombination sollte ärztlich angeschaut werden und ist kein Fall für Kieferübungen.

Zeitnah zur Hausarztpraxis solltest du, wenn du regelmäßig Kopfschmerzen hast oder sie trotz eigener Maßnahmen schlimmer werden (NHS). Dasselbe gilt bei Hinweisen auf eine Schlafapnoe wie Atempausen, Schnappen nach Luft oder starker Müdigkeit am Tag (NHS). In die Zahnarztpraxis gehst du, wenn deine Zähne Schäden zeigen oder empfindlich sind, wenn dir Kiefer, Gesicht oder Ohr wehtun oder wenn dir jemand sagt, dass du nachts knirschst (NHS). Mehr zur Einordnung von Beschwerden im Kiefer findest du auf unserer Seite zu Kieferschmerzen.

Dein Kopf darf morgens leichter werden

Kopfschmerzen nach einer Nacht voller Knirschen sind zermürbend. Gleichzeitig hast du mehr Einfluss darauf, als es sich gerade anfühlt, vor allem beim Pressen am Tag. Starte mit dem Zahnkontakt-Check und nimm deine Notizen nach einer Woche mit zu deiner Zahnärztin oder deinem Hausarzt.

Wenn du den großen Überblick über Kieferbeschwerden suchst, hilft dir unser CMD-Ratgeber weiter.

Häufige Fragen

Kann Zähneknirschen wirklich Kopfschmerzen auslösen?+
Ein Zusammenhang wird in Studien immer wieder beobachtet, am deutlichsten zwischen Pressen und Knirschen im Wachzustand und Spannungskopfschmerzen. Die Studienlage ist allerdings klein und von niedriger Qualität, und ob das Knirschen die Kopfschmerzen direkt verursacht, ist nicht belegt (Réus et al., 2021).
Warum habe ich nach dem Knirschen morgens Kopfschmerzen an den Schläfen?+
An der Schläfe sitzt einer deiner großen Kaumuskeln, und Kopfschmerzen, die vom Kiefer ausgehen, sitzen laut der internationalen Kopfschmerzklassifikation meist genau dort (ICHD-3). Kommen morgendliche Kopfschmerzen zusammen mit lautem Schnarchen, Atempausen oder starker Tagesmüdigkeit vor, solltest du auch eine Schlafapnoe abklären lassen.
Hängen Zähneknirschen und Schlafapnoe zusammen?+
Eine Übersicht über acht systematische Reviews kam 2026 zu dem Schluss, dass Erwachsene mit Schlafapnoe offenbar häufiger nachts knirschen, die Daten sind aber methodisch schwach (Pereira et al., 2026). Eine Meta-Analyse von 2024 fand dagegen keinen klaren Zusammenhang, auch hier auf Basis überwiegend schwacher Studien (Błaszczyk et al., 2024).
Hilft eine Knirscherschiene gegen die Kopfschmerzen?+
Eine Schiene wird nachts getragen und schützt vor allem deine Zähne vor Schäden (NHS). Ob sie auch die Kopfschmerzen bessert, belegen die hier genannten Quellen nicht. Gegen das Knirschen selbst empfiehlt der NHS Entspannung und besseren Schlaf (NHS), beim Pressen am Tag kann es helfen, dir das Verhalten bewusster zu machen (Cleveland Clinic, 2023).

Quellen

  1. Lobbezoo F, Ahlberg J, Raphael KG, et al. International consensus on the assessment of bruxism: Report of a work in progress. Journal of Oral Rehabilitation 45(11), 837-844, 2018. ↗
  2. Headache Classification Committee of the International Headache Society. ICHD-3, 11.7 Headache attributed to temporomandibular disorder (TMD). International Headache Society, 2018. ↗
  3. Headache Classification Committee of the International Headache Society. ICHD-3, 10.1.4 Sleep apnoea headache. International Headache Society, 2018. ↗
  4. Réus JC, Polmann H, Mendes Souza BD, et al. Association Between Primary Headache and Bruxism: An Updated Systematic Review. Journal of Oral & Facial Pain and Headache 35(2), 129-138, 2021. ↗
  5. Cleveland Clinic. Bruxism (Teeth Grinding). Health Library, medically reviewed 18.12.2023. ↗
  6. Błaszczyk B, Waliszewska-Prosół M, Więckiewicz M, et al. Sleep bruxism (SB) may be not associated with obstructive sleep apnea (OSA): A comprehensive assessment employing a systematic review and meta-analysis. Sleep Medicine Reviews 78, 101994, 2024. ↗
  7. NHS. Headaches. National Health Service, UK, last reviewed 17.04.2024. ↗
  8. Pereira KK, Pereira IF, Machado Júnior AJ. Possible association between obstructive sleep apnea syndrome and sleep bruxism in adults: an umbrella review. Sleep Medicine 147, 109129, 2026. ↗
  9. de Oliveira Souza AIS, Raposo J, da Silva JB, et al. Physical therapy interventions for awake and sleep bruxism: What has been the approach over the last decades? A systematic review of the evidence and research gaps. Dental and Medical Problems 63(3), 707-733, 2026. ↗
  10. NHS. Teeth grinding (bruxism). National Health Service, UK, last reviewed 08.04.2026. ↗
  11. NHS. Sleep apnoea. National Health Service, UK, last reviewed 11.05.2026. ↗

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